INTERVIEW: TV SPIELFILM
Dieses Interview stammt aus der TV Spielfilm. Es entstand nach den Dreharbeiten zu 'Just My Luck' - 'Zum Glück geküsst'

In der romantischen Komödie "Zum Glück geküsst" wird Wunderkind Lindsay Lohan von Fortuna verlassen. Im Interview erzählt die Pop-Prinzessin von ihrem Liebesfrust, dem Ärger mit der Klatschpresse und ihrer Einsamkeit.

Im Film verändert ein Kuss Ihr Leben. Ist Ihnen das im wahren Leben auch schon mal passiert?
Lindsay Lohan:
Nein. Ich glaube fest, dass die einzige Person, die mein Leben ändern kann, ich selbst bin.

Sie können sich aber an Ihren ersten Kuss erinnern?
Oh ja, daran erinnere ich mich sogar sehr gut. Ich war in der 8. Klasse ... Aber halt, nicht nachmachen! Es darf ruhig etwas später sein (lacht).

Bei den Dreharbeiten gab es für Sie viel zu küssen. Wie haben Sie das empfunden?
Ich habe mich überhaupt nicht wohl gefühlt. Ich musste fremde, viel ältere Männer mitten auf der Straße küssen, und überall standen kleine Mädchen und Paparazzi mit ihren Digitalkameras im Anschlag – das war nicht gerade anregend. Ich bin mir total albern vorgekommen, aber es gehörte nun mal zur Rolle.

Viele erfolgreiche Menschen scheitern in der Liebe. Gehören Sie dazu?
Absolut (lacht). Was die Liebe betrifft, bin ich eine totale Versagerin.

Was würden Sie für die Liebe aufgeben?
Man liebt doch jemanden so, wie er ist, und deshalb sollte man auch nichts für einen anderen Menschen aufgeben müssen. Ich liebe die Schauspielerei und würde sie für niemanden aufgeben. Ich kenne aber auch niemanden, der das von mir verlangen würde. Ich hoffe jedoch, dass die Klatschpresse irgendwann in der Zukunft, wenn ich selbst eine Familie habe, das Interesse an mir verliert. Derzeit bin ich ein viel zu leichtes Ziel.

Sie sagen es: Sie stehen unter ständiger Beobachtung der Klatschpresse. Wie gehen Sie damit um?
Vieles von dem Quatsch, der über mich geschrieben wird, lese ich erst gar nicht. Entweder werden die Dinge, die ich sage, falsch ausgelegt, oder es wird dermaßen auf den negativen Aspekten einer Story herumgehackt, dass für die positiven gar kein Platz mehr bleibt. Das muss ich mir nicht geben. Schade nur, dass meine Fans den Klatsch lesen, egal, ob die Informationen wahr sind oder nicht. Nebenbei bemerkt sind 97 Prozent davon falsch. Ich wünschte mir wirklich, es gäbe eine Grenze für dieses Stalking. Zurzeit ist es mal wieder sehr unangenehm.

Dennoch erwecken Sie nicht den Eindruck, als würde der Rummel Sie abschrecken. Stehen Sie nicht doch ganz gern im Rampenlicht?
Zugegeben, ich brauche die Aufmerksamkeit auch. Es klingt vielleicht komisch, aber in diesem Geschäft wird man mit den Jahren ziemlich einsam. Du arbeitest monatelang mit vielen Leuten am Set, und dann ist der Film plötzlich fertig, und du bist wieder allein. Das frustriert mich enorm, weil ich dann nichts mit mir anzufangen weiß. Ich bin nicht gern allein. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, in der immer was los war. Ich brauche diesen Trubel. Noch heute bin ich am liebsten mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen.

In Ihrem jungen Leben haben Sie bereits eine beachtliche Karriere vorzuweisen. Wie soll es weitergehen? Wie stellen Sie sich Ihr künftiges Leben vor?
Ganz ehrlich, ich fühle mich überhaupt nicht wie eine 20-Jährige – und ich meine das nicht negativ. Mein ganzes Leben lang war ich viel mit Erwachsenen zusammen, musste auch in meiner Familie früh Verantwortung übernehmen, und ich fühle mich ein bisschen älter und weiser, als ich eigentlich bin. Was meine Filme betrifft, ändere ich jetzt schon allmählich meine Rollenauswahl. Ich wachse mit meinen Fans und versuche dabei, den richtigen Übergang vom Teeniestar zur erwachsenen Schauspielerin zu finden.

Ist das Erwachsenen-Geschäft härter? Am Set des Musicals "A Prairie Home Companion" sollen Sie Streit mit Meryl Streep gehabt haben, weil Sie zu spät am Set erschienen sind.
Das ist totaler Quatsch! Meryl Streep und ich verstehen uns prima. Zudem ist sie keine Frau, die einem so etwas übel nehmen würde. Im Gegenteil: Der Dreh war voller positiver Energie, und wir waren alle glücklich, dazu zu gehören. Außerdem haben wir in Minnesota gedreht. Jeder von uns war ungeheuer auf seine Rolle fixiert. Es gab dort ja auch nichts anderes zu tun.

Sie singen im Film, Sie nehmen CDs auf. Sind Sie mit Ihrer musikalischen Karriere zufrieden?
Ich habe das Gefühl, dass ich als Schauspielerin im Musikfach nicht sonderlich ernst genommen werde. Aber ich singe gern und werde höchstwahrscheinlich demnächst mit einigen Freunden eine neue CD aufnehmen. Diesmal allerdings muss es anders laufen. Letztes Mal stand ich tagsüber für "Herbie Fully Loaded" vor der Kamera und arbeitete nachts im Studio. Ich wurde krank und musste einsehen, dass ich es nicht jedem recht machen kann. Wenn ich Musik mache, geschieht das in Zukunft nur noch nach meinen Bedingungen und meinem Zeitplan.

Welche Musik haben Sie auf Ihrem iPod?
Ach, das ändert sich täglich. Im Moment die Arctic Monkeys, Janis Joplin, Betty Smith und Nellie McKay.

Sie haben unlängst ein Musikvideo inszeniert. Möchten Sie in Zukunft öfter Regie führen?
Nein, nicht unbedingt. Es war eine persönliche Sache, eine Herzensangelegenheit, weil meine kleine Schwester mitspielte. Ich hatte eine Idee für den Clip und fand es einfach praktischer, ihn selbst zu drehen, als jemanden dafür zu engagieren und dem dann meine Vorstellungen erläutern zu müssen.

Ein Imagewechsel steht aber wohl dennoch ins Haus. Ihre nächsten beiden Filme, "Bobby" und "Chapter 27", handeln von sehr ernsten Themen: den Morden an Robert Kennedy und John Lennon.
Beides sind sehr wichtige Produktionen für mich. Zum einen, weil ich ein großer Beatles-Fan bin. "The Ballad of John and Yoko" ist einer meiner Lieblingssongs. Außerdem kenne ich John Lennons Sohn Sean und seine Mutter Yoko Ono gut. Durch sie war mir die Lebensgeschichte der Beatles einigermaßen vertraut. Im Film spiele ich eine Augenzeugin des Mordes, die versucht, den Killer zu verstehen – was nicht heißen soll, dass ich den realen Attentäter, Mark David Chapman, in irgendeiner Form in Schutz nehme. In "Bobby" spiele ich eine Frauenrechtlerin zu einer Zeit, als es erst sehr wenige davon gab. Es macht mich sehr stolz, dass meine kleine Schwester diesen Film sehen und dabei etwas über unsere amerikanische Vergangenheit lernen wird. Genau wie meine Fans, die noch sehr jung sind und von den Kennedy-Attentaten nichts mitbekommen haben dürften. Außerdem ist es ein erster Schritt hin zu reiferen Rollen.

SOURCE: tvspielfilm.de

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